Der Mexico-Käfer

Chronologie VW-Mexiko*

*Quelle: Eine Geschichte ohne Ende – Gerhard Schreiber – Volkswagen de México

1954 begann die erste Entwicklungsphase von Volkswagen in Mexiko (bis 1963): Der mexikanische Fahrzeugmarkt wurde von schweren und teuren Fahrzeugen aus den USA für Besserverdiener beherrscht. Für ein populäres, zudem für breite Bevölkerungsschichten erschwingliches Fahrzeug schien es keinen Markt zu geben. Den Käfer kannte praktisch niemand; seine Absatzchancen in Mexico erschienen unbedeutend. Aus diesem Grund ist die Vision der Pioniere, ins Mexico-Geschäft einzusteigen, besonders hoch einzuschätzen. Ab 1954 wurden aus Deutschland komplette Fahrzeuge importiert. Auflagen der Regierung forderten jedoch, dass Fahrzeuge zukünftig in Mexiko montiert werden mussten. So wurden zunächst Bausätze geliefert.

1964 begann daher die zweite Phase von Volkswagen in Mexiko, nämlich mit der Aufnahme der „echten“ Produktion: Die Produktionshalle 1A in Xalostoc nahe Mexiko-City wurde am 20. April 1964 eingeweiht und platzte dank der Nachfrage nach Käfern bald aus allen Nähten. Rasch stellte sich heraus, dass dies nicht der geeignete Standort für Volkswagen Mexiko (VWM) war. Prof. Dr. Heinrich Nordhoff (Generaldirektor in Wolfsburg) bat das VWM-Management deswegen, nach Standortalternativen zu suchen. Ein Gelände im Bundestaat Puebla erwies sich als besonders geeignet. Es hatte sowohl Verbindung zum Hafen Veracruz als auch zum Hauptabsatzmarkt Mexiko-City.

1967 erfolgte der Werksumzug von Xalostoc nach Puebla als dritte Phase. Im neuen Werk lief am 23. Oktober 1967 der erste Käfer vom Band. Die Regierung von Mexiko machte zur Auflage, dass annähernd 60% der Käferteile in Mexiko gefertigt werden mussten, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Das VW-Werk Puebla erlebte wirtschaftliche Höhen und Krisen in Mexiko, Inflationen und Währungsabwertungen; mehrfach war die Fortführung der Produktion gefährdet. Nach Auslauf der Käferproduktion in Europa Anfang 1978 stand das Management der VWM vor der schwierigen Aufgabe, für den Käfer die technische Verantwortung zur Weiterentwicklung zu übernehmen. Die Produktpflege des Käfers ging von nun an in Mexico weiter. Die für den Verkauf und wegen der gesetzlichen Abgasvorschriften so wichtigen Anpassungen beim Motor flossen zügig in die Puebla-Produktion ein.

Das galt auch schon vorher: Bereits im April 1968 konnte der im August 1966 in Europa gestartete 1,5 Liter-Motor in Puebla produziert werden. Ende 1973 kam der 1,6 Liter-Motor dazu (Europa August 1970). Im Laufe des Jahres 1977 wurde eine automatische Höhenanpassung am Vergaser eingeführt und im Oktober 1987 eine elektronische Zündung angebracht. Ende 1991 erhielt das Antriebsaggregat einen ungeregelten Katalysator. All diese Verbesserungen dienten neben der Erfüllung der Abgasvorschriften der Qualitäts- und Lebensdauererhöhung. 1993 erfolgte die Umstellung auf eine Einspritzanlage mit geregeltem Katalysator. Zudem wurde der Gleichstromgenerator durch einen Alternator zur Stabilisierung des Stromhaushaltes abgelöst. Was niemand glaubte, gelang: Der luftgekühlte Boxermotor erfüllte letztlich alle internationalen Abgasvorschriften.

Bemerkenswerte Änderungen am Fahrwerk und im Erscheinungsbild innen und außen gab es folgende: Das bewährte Fahrwerk erhielt Scheibenbremsen. Im August 1967 bekam der Wagen einen auf der rechten Außenseite liegenden Kraftstoffeinfüllstutzen. Im Oktober 1969 erfolgte die Senkrechtstellung der Scheinwerfer bei den vorderen Kotflügeln und die Ausstattung des Motordeckels hinten mit Belüftungsschlitzen, die im August 1972 zur Verbesserung der Motorentlüftung nochmals eine Erweiterung erfuhren. 1977 folgte der Einbau der Blinkleuchten in die Stoßfänger. 14 Jahre lang wurde der Käfer technisch wenig verändert, meistens waren es Kosteneinsparungen wie Entfall der Scheibenchromleisten, bis 1996 der Käfer praktisch ohne Chrom – alles in Wagenfarbe – vom Band lief. Eine funkgesteuerte Diebstahlwarnanlage wurde eingebaut; ab 1984 zunächst integrierte Kopfstützen an den Vordersitzen zur Erhöhung der Sicherheit. Der Käfer überdauerte bis 2003 – mit der letzten Sonderserie „Ùltima Edición wurde die Käferproduktion am 30. Juli 2003 eingestellt. Ab dem 1. März 2003 begann das Modelljahr 2004 – somit wurde 50 Jahre Käfergeschichte von 1954 bis 2004 in Mexiko geschrieben. Die hier aufgeführte Käfermodellpflege bezieht sich auch auf die Produktion in Mexico für den heimischen Markt.

  • 1954

    Januar: Gründung der Importfirma Volkswagen Mexicana.
    Februar: Ankunft der ersten Volkswagen in Mexico.
    März: Auf der Ausstellung „Deutschland und seine Industrie“ wurden dem Publikum 7 Käfer, 4 Transporter (Typ 2) und 1 Cabriolet vorgestellt.
    Es folgte der Import der ersten 123 Käfer und 110 Transporter (Typ 2)
    Aufgrund verschärfter Importbestimmungen wurde ein Montagevertrag mit der Mexikanischen Automex abgeschlossen. Daran schloss sich der Import der ersten zerlegten Fahrzeuge (144 Käfer und 108 Transporter) an.
    Verkauf von 618 Fahrzeugen.
  • 1955

    Montage der ersten 250 Käfer; der Absatz steigt auf 1.765 Fahrzeuge.
  • 1956

    Die mexikanische Regierung erlässt das erste Importverbot für komplette Fahrzeuge.
    Verkauf von 3428 Fahrzeugen.
  • 1957

    Wegen Reduzierung von Importquoten werden nur 976 Käfer importiert bzw. montiert; weitere 300 Fahrzeuge durch Verhandlungen mit Behörden genehmigt.
  • 1958

    Die Importquote liegt bei lediglich 1.700 Fahrzeugen
  • 1959

    3.789 Fahrzeuge; Verwendung von national gefertigten Teilen wird vorgeschrieben, die sich zunächst auf Batterien, Reifen, Sitzbezugsstoffe, Kabel und Werkzeuge beschränkt.
  • 1960

    2.856 Fahrzeuge werden verkauft; der Umfang der in Mexico produzierten Teile wird erhöht. VW Mexicana wird in VW Interamericana (VWI) umbenannt. Verkauf von 2.379 Fahrzeugen.
  • 1961

    Automex, die Montagefirma von VW, steht vor der Schließung. VWI erhält trotz intensiver Bemühungen keine Montagegenehmigung, somit wurde der Verbleib von Volkswagen in Mexico fraglich. Mit der Firma Automóviles Ingleses (BMC) konnten Vereinbarungen getroffen werden, ausschließlich Käfer zu montieren. Die Zusatzquote von BMC (British Motor Company) kommt der Marke VW zugute; Absatz 2.878 Fahrzeuge.
  • 1962

    Unter Führung von VWI Gründung der Promexa, die die Automóviles Ingleseses kauft und eine Montagelizenz erhält. Promexa beginnt mit der Montage in Xalostoc (nähe Mexico-City) der Käfer; der Typ 2 wird in Puebla montiert; Verkauf von 3.287 Fahrzeugen.
  • 1963

    Die Volkswagen AG (VW AG) bestätigt der mexikanischen Regierung eine Automobilproduktion einzurichten. Die VW AG kauft die Firma Promexa. Verkauf von 5.984 Fahrzeugen.
  • 1964

    Die Promexa wird von der Volkswagen de México (VWM) zunächst im wirtschaftlichen Sinn und im Mitte Januar auch juristisch abgelöst. Damit wird eine solide Basis für den Verbleib von Volkswagen in Mexico gelegt. Verkauf von 8.386 Fahrzeugen.
  • 1965

    VWM und VW AG verständigen sich über die mittelfristigen Absatzpotentiale für den Fall einer Umstellung der Motoren von 1,2 auf 1,3 und 1.5 Liter.
    Kauf eines Geländes von 230 ha von der Landesregierung Puebla und Grundsteinlegung für eine Automobilfabrik in Mexico-Puebla. Vier Monate später Baubeginn. Das mexikanische Finanzministerium bestätigt VWM die Zollbefreiung für den Import aller Maschinen und Ausrüstungen für die Bearbeitung, Montage und Prüfung von Motoren.
    Bei der VW AG wird der 50.000 Teilesatz (CKD) für Mexiko zusammengesetzt.
    Verkauf von 12.949 Fahrzeugen.
  • 1966

    Im Januar Fertigstellung des 50.000 Käfer in Xalostoc.
    Das Poblaner Amtsblatt-Nr. 32 veröffentlich, dass VWM für 15 Jahre von allen Landessteuern befreit wird. VWM übererfüllt die geforderten 60% nationale Integration und wird dafür mit geringer Zollbelastung und Montagesteuer belohnt.
    Das neue Presswerk mit einer 1.000-Tonnen-Presse wird in Betrieb genommen. Der Bau für Lackiererei, Materiallager, Versorgungsanlagen sowie der Straßen wird begonnen.
    Angesichts der Tatsache, dass VWM einerseits deutlich höhere Verkaufserfolge gegenüber dem Vorjahr erzielte und eine Fabrik in Puebla baut und andererseits die USA-Autohersteller erheblich Absatzschwierigkeiten aufweisen, ist die Konkurrenz alarmiert. Daraufhin stellt das Wirtschaftsministerium die liberale Politik zu VWM zum Teil ein. Weitere Erschwernisse für 1967 werden angekündigt. Die VW AG bittet den mexikanischen Staatspräsidenten um eine Audienz für eine sichere Zukunft für Volkswagen in Mexico. VWM erhält eine Basisquote von 12.000 Einheiten und eine Zusatzquote von 6.000 Einheiten für 1967.
    17.240 verkaufte Fahrzeuge.
  • 1967

    Der Rahmenbau wird aus Xalostoc nach Puebla verlagert und beginnt reibungslos mit der Fertigung. Das Wirtschaftsministerium genehmigt für 1968 eine Basisquote von 17.300 Einheiten und an nachzuweisenden Auflagen gebundene Zusatzquote von 7.700 Wagen.
    23.10.1967: Der erste Käfer wird im neuen Werk Puebla gefertigt.
    Mit Unterstützung der VW AG werden bei Verhandlungen mit nationalen Lieferanten Preisreduzierungen um 15% erreicht. VWM beschließt, den Käfer ab Mai 1968 mit dem 1,5-Liter-Motor zu verkaufen.
  • 1968

    Der Verwaltungsrat erörtert die auf Grund der staatlichen Preiskontrolle schwierige wirtschaftliche Lage der VWM und genehmigt u. a. den Verkauf von Werkes Xalostoc. VWM und Verwaltungsrat setzen ihre Gespräche über Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmenssituation fort.
    Die Fertigung von täglich 110 Käfern mit 1,5 Liter-Motor beginnt planmäßig. Am 12.06.1968 läuft im Werk Puebla der 100.000ste Käfer für Mexico vom Band.
    Durch die Verlagerung der Käferproduktion nach Puebla von Xalostoc waren dort viele Arbeitsplätze in Gefahr. Mit Erhöhung der Produktion ab 1969 wurde eine Lösung gefunden. Verkauf von 22.225 Käfern.
  • 1969

    Anlauf des neuen Käfers, der in seiner äußeren Form nunmehr dem in Wolfsburg produzierten Modell gleicht und in 3 verschiedenen Ausführungen angeboten wird.
  • 1970

    Mit Einführung des Käfermodells 1971 wird die Gewährleistung um ein Vierfaches ausgedehnt auf 40.000 km bzw. 2 Jahre.
    Produktionsbeginn des Safari mit einer arbeitstäglichen Fertigung von 10 Stück.
  • 1971

    Der Käfer erhält einen 1,6-Liter-Motor und eine Karosserie, die dem deutschen Serienstand weiter angeglichen ist. Fertigstellung des 200.000sten Käfer für Mexico. Die ersten 1.000 Käfer-Taxis werden produziert; Folgeauftrag von weiteren 1.000 Käfer-Taxis. Produktionsanlauf des Kombi.
  • 1972

    Weitere 1.000 Käfer-Taxis werden nach Mexico-City ausgeliefert; die Taxiflotte umfasst inzwischen 3.000 Käfer.
    Export von 100 Käfern nach Panama, Nicaragua, El Salvador und Guatemala sowie 35 Safari nach Kuba. Über weitere 400 Fahrzeuge (Käfer und Safari) laufen Verhandlungen mit der kubanischen Regierung.
    Der Absatz von Käfer und Safari steigt auf 53.684; vom Typ 2 werden 3.158 verkauft.
  • 1973

    Produktionsbeginn des Transporters (Panel); 50 Safari werden an Volkwagen of America geliefert, der dort als „The Thing“ vermarktet wird. Es ist der erste Export von in Mexico gefertigter Fahrzeuge in die USA.
  • 1974

    Der VWM-Absatz erreicht einen historischen Rekord mit 114.839 Fahrzeugen.
    Durch die Lieferung von Hilfsrahmen, Querlenkern und Hinterachsen an die VW AG bzw. VW do Brasil beteiligt sind VWM an der konzernweiten Verbundfertigung.
  • 1975

    Fertigstellung des 500.000sten Volkswagen für Mexico. VWM beschließt, für das Modelljahr 1976 den Käfer mit Radio, Sicherheitsgurten und Gürtelreifen als Mehrausstattung anzubieten.
  • 1976

    Das VWM-Händlernetz ist auf 198 Betriebe gewachsen.
  • 1977

    Verlagerung der Käferfertigung von der VW AG in Emden nach Puebla und Beginn der Re-Exporte nach Europa. Ende 1977 verlassen 1.694 Käfer Mexico und werden im Hafen Emden erwartet.
  • 1978

    Für die in den Europa-Export gehenden Käfer wird extra der Käfermotor mit 34 PS gebaut, der in Mexico nicht angeboten wird.
  • 1979

    VWM verkauft insgesamt 112.511 Fahrzeuge, davon 19.242 im Export.
  • 1980

    Fertigstellung des 1.000.000. Volkswagen in Mexico. Verbesserung der Abgaswerte für Käfermotoren, um nationale Vorschriften zu erfüllen und mit dem Käfer exportfähig zu bleiben.
  • 1981

    Der 20.000.000. Käfer im VW-Konzernlauf läuft bei der VWM vom Band. Er erhält einen Ehrenplatz in der Stiftung Volkswagen Museum in Wolfsburg.
  • 1982

    Beginn einer schweren Wirtschaftskrise; Wiedereinführung der Preiskontrolle für PKW.
  • 1983

    Der Käfer wird im Juli mit einer geänderten Schalttafel ausgestattet.
  • 1984

    Bundeskanzler Kohl verabschiedet anlässlich seines Besuchs bei VWM den 100.000. Käfer für europäische Märkte. Es handelt sich um ein samtrotes Sondermodell.
  • 1985

    Im September werden die letzten Käfer für Europa verschifft. Das Sondermodell „50 Jahre Käfer“ bedeutet den offiziellen Abschied vom europäischen Markt.
  • 1986

    Mexico erlebt einen wirtschaftlichen Tiefpunkt. Die Produktion bricht um ein Drittel ein; der Export erreicht noch 85 PKW.
  • 1987

    Umstellung von Motoren- und Achsteilen für den Käfer von Eigenfertigung auf Lieferung aus VW do Brasil.
  • 1988

    Die Regierung beschließt deutliche Steuersenkungen für Neufahrzeuge. Einsatz einer neuen Lackieranlage mit internationalem Qualitätsstandard.
  • 1989

    VWM präsentiert den Käfer mit einem besonders wirtschaftlichen Angebot, als Schritt für eine weiterhin positive Zukunft zur Erschließung neuer Käuferschichten. Anlässlich der 25-jährigen Bestehens der VWM wird eine limitierte Jubiläumsausgabe von Käfer, Golf und Jetta angeboten. Der VWM-Einkauf präsentiert Verhandlungserfolge mit 48 von 101 Lieferanten, die für den Käfer besondere Nachlässe geben wollen. Die mexikanische Regierung unterschreibt ein Dekret (Auto für das Volk), nach dem Fahrzeuge mit einem Preis von unter 13,8 Mio. Pesos besondere Steuervergünstigungen erhalten. Der Käfer wird für 13.75 Mio Pesos verkauft, das eine Preissenkung von 20% bedeutet. Marktanalysen prognostizieren einen Absatzsprung auf 70.000 Einheiten. VWM organisiert sich durch Zusatzschichten und interne Umstellungen, um den Verkaufsboom optimal zu nutzen.
  • 1990

    Beginn einer 3. Schicht für die Käfer-Fertigung. Im Oktober Fertigstellung des 1.000.000sten Käfers bei VWM.
  • 1991

    Der Käfermotor ab Dezember wird mit ungeregeltem Katalysator ausgestattet.
  • 1992

    VWM fertigt am 23.06.92 den 21millionsten Käfer im VW-Konzern.
  • 1993

    Der Motor des Käfers wird ab 19.08.93 mit der Modellbezeichnung „1600 i“ auf geregelten Katalysator umgestellt.
  • 1994

    Mit 256.317 produzierten Fahrzeugen, davon 78.276 Käfer, setzt VWM eine neue Höchstmarke.
  • 1995

    Fertigungsbeginn des Käfermodells „City“ als Basismodell.
  • 1996

    Verlagerung der Käfer-Fertigung in separate, moderne Einrichtungen einschließlich eigener Lackiererei in den Hallen 27 und 28. Der Käfer soll von VWM erneut in den Ländern Bolivien, Chile, Ecuador, Peru, Puerto Rico und Zentralamerika angeboten werden.
    Der 21.300.000. Käfer im VW-Konzern wird bei VWM hergestellt.
  • 1997

    Erhöhung der Käferproduktion von täglich 84 Fahrzeugen auf 170, somit 1020 pro Woche.

Für den europäischen Markt produzierte Mexico-Käfer

Modelljahr 1978 (1-8/1978)

Als am 19.01.1978 und damit mitten im Modelljahr der letzte in Europa gebaute Käfer vom Band lief - ein dakotabeiger 1200 in Grundausstattung - war die erste Schiffsladung der in Mexico für den europäischen Markt gebauten Käfer schon vor Wochen in Emden gelandet. Die Umstellung war von langer Hand vorbereitet und der mexikanische Käfer insbesondere durch Entfall der bisherigen US-Blinker vorn und Vier-Kammer-US-Rückleuchten hinten modifiziert worden. Zudem erhielt der europäische Markt eine Version, die so in Mexico gar nicht verfügbar war und sich in einer Reihe von Details von den in Europa gebauten Käfern unterschied:

Auffälligstes Merkmal war natürlich der Entfall des 1200er-Grundmodells und des 1,6l/50-PS-Motors. Interessanterweise wurde eben dieser Motor, allerdings mit etwas geringerer Leistung aufgrund herabgesetzter Verdichtung, ausschließlich in Mexico gebaut. Statt diesen in Europa anzubieten, was nahe gelegen hätte, ließ VW in Mexico jetzt eigens für Europa 1200er Motoren bauen, die dem Käfer den Stand eines Sparautos einbringen und außerdem eine deutliche Abgrenzung zum 40-PS-Polo und 50-PS-Golf aufzeigen sollten. Dennoch wurde die Motorhaube mit Luftschlitzen geliefert, die beim Emden-Käfer der 50-PS-Version vorbehalten waren. Statt der starken Drehstrom- war nur noch eine Gleichstromlichtmaschine lieferbar. Immerhin wurden ab Werk endlich Gürtelreifen montiert. Auch die Hinterachse wurde geändert: Sie wurde zwar weiterhin als Pendelachse ausgeführt, obwohl die Doppelgelenkachse schon 1967 für den Automatic-Käfer und in den USA kurz darauf für alle Käfer eingebaut wurde. In Mexico aber wurde diese Hinterachse nie gebaut. Für den europäischen Markt setzte man das Heck tiefer, was dazu führte, dass alle offiziell von VW importierten Mexico-Käfer hinten deutlich tiefer liegen als vorn und anders als bisher nur statt als Fünf- nur noch als Viersitzer zugelassen sind. Ansonsten entfielen leider viele Details: Im Innenraum fehlte das Zweistufen-Frischluftgebläse, so dass nur noch die Zwangsentlüftung vorhanden war, der Türkontaktschalter rechts und der Spiegel in der Beifahrer-Sonnenblende und die Ablage über dem Heckgepäckraum. Der Teppich dort ging – jedenfalls im ablaufenden Modelljahr 1978 –nicht mehr bis zur Heckscheibe. Auch der Teppich sonst im Auto war kein anthrazitfarbener Filz mehr, sondern gummierter Noppenteppich. Für die Fahrzeugreinigung hinderlich und rissanfällig waren die nun wieder über den Mitteltunnel durchgehenden Gummimatten vorn und hinten. Ärgerlich war die Rücksitzlehnenbefestigung nur noch mit einem Gummistraps wie beim Sparkäfer und das Entfallen der Türtaschen. Dafür gab es wieder eine Fußstütze für den Beifahrer, zweifarbige Sonnenblenden (innen schwarz), ein Plastikhandschuhfach statt des schmutzempfindlichen weißen Pappematerials, erstmals einen genarbten Lenkradkranz und mit Schrumpflack beschichtete Lautsprechergitter neben dem Tacho und Handschuhfachdeckel sowie eine „richtige“ Handbremsstulpe. Außen war die Heckscheibe wieder auf das Maß vor August 1971 geschrumpft, das gewölbte hintere Abschlussblech verschwunden, die Gummileisten auf der Stoßstange entfallen, dafür gab es wieder eine Chromleiste auf dem Trittbrett und verchromte statt schwarze Auspuffrohre. Bis auf Radio und Sonderfarbe völlig entfielen die bisherigen Extras, also auch das Schiebedach oder die Klimaanlage. Sogar das bisherige Farbenangebot schrumpfte auf nur noch fünf und später vier Unifarben. Kann man deswegen von einem hinsichtlich technischer Merkmale und Ausstattung zum letzten für den europäischen Markt gebauten 1200 L schon nicht mehr gleichwertigen Fahrzeug sprechen, ist dies erst recht nicht mehr der Fall im Vergleich zu den in Emden zuvor gebauten US-Käfern mit Einspritzanlage, geregeltem Katalysator, Seitenaufprallschutz in den Türen und Stoßstangen mit Prallelementen.

„Der neue Käfer – hat mehr, kostet weniger“, warb VW 1978 für den Mexikaner und spielte damit darauf an, dass der Preis des allein verbliebenen L-Modells aus Mexico deutlich unter dem des Emdener Käfers in L-Ausstattung lag. Einige Arbeitsplätze blieben in Emden erhalten, weil dort eine Endmontage von Teilen für den europäischen Markt erfolgte. Laut Presseberichten fand anfangs noch eine zusätzliche Endkontrolle statt, die jedoch bald wieder aufgegeben worden sein soll.

Fahrgestellnummern
118 2 050 001 bis 118 2 112 000
Motornummern
D1 421 641 bis 433 640
Sitzbezüge
Hahnentritt
Sitzbezug Pepita/Hahnentritt
Farben
alpinweiß L90E
alpinweiß L90E
marsrot L31B
marsrot L31B
manilagrün L63Y
manilagrün L63Y
mexicobeige LE1M
mexicobeige LE1M
floridablau LA5A
floridablau LA5A
Entgegen anderer Veröffentlichungen gab es nie mexikanische Käfer in dakotabeige L13A oder miamiblau L51C; bei solchen Fahrzeugen handelte es sich um Emden-Käfer.
dakotabeige L13A
floridablau LA5A
miamiblau L51C
floridablau LA5A

Modelljahr 1979 (8/1978-7/1979)

Der Teppich im hinteren Kofferraum wird geändert (kein gummierter Noppentepich mehr) und unter die Heckscheibe verlängert. Mai 1979: statische Beckengurte hinten; im Prospekt sind fehlerhaft automatische Beckengute abgebildet!

Fahrgestellnummern
119 2 100 001 bis 119 2 121 136
Motornummern
D1 433 641 bis 454 776
Sitzbezüge
Hahnentritt
Sitzbezug Pepita/Hahnentritt
Farben
alpinweiß L90E
alpinweiß L90E
marsrot L31B
marsrot L31B
manilagrün L63Y
manilagrün L63Y
mexicobeige LE1M
mexicobeige LE1M
floridablau LA5A
floridablau LA5A

Modelljahr 1980 (8/1979-7/1980)

April 1980: 2,1 cm hohe VW-Bus T3-Radkappen.

Fahrgestellnummern
11 A M 000 001 bis 11 A M 011 807
Motornummern
D1 454 777 bis 466 584
Sitzbezüge
Hahnentritt
Sitzbezug Pepita/Hahnentritt
Farben
alpinweiß L90E
alpinweiß L90E
marsrot heller LA3/90A
marsrot heller LA3/90A
manilagrün L63Y
manilagrün L63Y
mexicobeige LE1M
mexicobeige LE1M

Modelljahr 1981 (8/1980-7/1981)

Die Schlitze in der Motorhaube entfallen. Golf-Türöffner und dickere Lenkradschalter (Blinker, Wischer). Vier Aufnahmewürfel an den hinteren Endspitzen und in den vorderen Radkästen verschweißt.

Fahrgestellnummern
11 B M 000 001 bis 11 B M 013 400
Motornummern
D1 466 585 bis 479 984
Sitzbezüge
Hahnentritt
Sitzbezug Pepita/Hahnentritt
Farben
alpinweiß L90E
alpinweiß L90E
marsrot heller LA3/90A
marsrot heller LA3/90A
lidogrün LA6B
manilagrün L63Y
mexicobeige LE1M
mexicobeige LE1M

Modelljahr 1982 (8/1981-7/1982)

Ab Frühjahr 1982 wird die pneumatische Scheibenwaschanlage von einer elektrischen abgelöst. Deren Pumpe ist kurioserweise made in Japan. Neben dem Tacho gib es nun eine Bremskontrollleuchte.

Fahrgestellnummern
11 C M 000 001 bis 11 C M 009 776
Motornummern
D1 479 985 bis 489 760
Sitzbezüge
Hahnentritt
Sitzbezug Pepita/Hahnentritt
Farben
alpinweiß L90E
alpinweiß L90E
marsrot dunkler LA3/40A
marsrot dunkler LA3/40A
lidogrün LA6B
manilagrün L63Y
mexicobeige LE1M
mexicobeige LE1M

Modelljahr 1983 (8/1982-7/1983)

Die Sitzbezüge des Serienkäfers ändern sich von Hahnentritt in Schottenkaro (wie schon vorher das Sondermodell Silver Bug). Die Rückleuchtensockel werden nun in schwarz geliefert. Eine Preissenkung um 500 DM am 17.01.1983 auf 9.395,-- DM, die auch in der Tagesschau berichtet wird, führt zu erheblich verbesserten Verkaufszahlen in Deutschland.

Ab ca. Mai 1983 findet sich der Sitzbezug in Schottenkaro nun auch auf den Kopfstützen (vorher nur schwarz). Größere Wasserablauflöcher in den Schwellern mit besserem Ablaufgummi (wie in der Rahmengabel).

Fahrgestellnummern
11 D M 000 001 ff
Motornummern
D1 489 761 bis 507 659
Sitzbezüge
Schottenkaro
Sitzbezug Schottenkaro
Farben
alpinweiß L90E
alpinweiß L90E
marsrot dunkler LA3/40A
marsrot dunkler LA3/40A
selvasgrün LA6D
selvasgrün LA6D
samtorange LA2A
samtorange LA2A

Modelljahr 1984 (8/1983-7/1984)

Fahrgestellnummern
11 E M 000 001 bis 11 E M 016 237
Motornummern
D1 507 660 bis 523 896
Sitzbezüge
Schottenkaro
Sitzbezug Schottenkaro
Farben
alpinweiß gelber L90/60E
alpinweiß gelber L90/60E
marsrot dunkler LA3/40A
marsrot dunkler LA3/40A
selvasgrün LA6D
selvasgrün LA6D
atlantikblau LG6C
atlantikblau LG6C

Modelljahr 1985 (8/1984-7/1985)

Ständige Preissteigerungen ab Sommer 1984 wegen eines ungünstigen Dollarkurses lassen die Verkäufe einbrechen.

Fahrgestellnummern
11 F M 000 001 bis 11 F M 009 988
Motornummern
D1 523 897 bis 533 884
Sitzbezüge
Schottenkaro
Sitzbezug Schottenkaro
Farben
alpinweiß gelber L90/60E
alpinweiß gelber L90/60E
marsrot roter LA3/80A
marsrot roter LA3/80A
selvasgrün LA6D
selvasgrün LA6D
atlanticblau LG6C
atlanticblau LG6C

Modelljahr 1986 (8/1985-12/1985)

Wieder größere Heckscheibe und gewölbtes Abschlussblech, aber nicht bei den Serienmodellen, sondern nur beim Jubiläumskäfer.

Fahrgestellnummern
11 G M 000 001 bis 11 G M 003 213
Motornummern
D1 533 885 bis 537 097
Sitzbezüge
Schottenkaro
Sitzbezug Schottenkaro
Farben
alpinweiß gelber L90/60E
alpinweiß gelber L90/60E
marsrot roter LA3/80A
marsrot roter LA3/80A
selvasgrün LA6D
selvasgrün LA6D
atlanticblau LG6C
atlanticblau LG6C

Sondermodelle

  • Silver Bug

    Ab Mai 1981 in silber metallic L90G, schwarzer Dekorstreifen an den Flanken und mit Schriftzug „Silver Bug“, zusätzlich 20-Millionen-Plakette auf der Motorhaube und vorne links an der Flanke, Schlüsselanhänger und Schaltknauf „20 Millionen“, Felgen mit verchromten Radzierringen, Sitze in Schottenkaro. Auflage 2000 Stück.
  • Silver Bug 2

    Ab September 1981. Erkennbar an geschlossener Motorhaube und Dekor auch unter den seitlichen Zierleisten, sowie Bremskontrollleuchte. Auflage 1800 Stück.
  • Jeans Bug

    Ab Mai 1982 in alpinweiß und marsrot, mit allen Zierteilen schwarz matt statt Chrom, silberner Streifen in den Stoßstangen, Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten mit Schriftzug „Jeans Bug“, zusätzlich Schriftzug auf der Motorhaube. Felgen mit schwarzen Radzierringen und Radkappen, Sitze in Jeansstoff, Schaltknauf „Jeans“ Auflage 1000 Stück.
  • Special Bug

    Ab September 1982 in schwarz metallic LG9U und marsrot mit allen Zierteilen schwarz matt statt Chrom, goldener Streifen in den Stoßstangen, goldenen Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten mit Schriftzug „Special Bug“, zusätzlich „Special“ auf der Front- und Motorhaube, goldfarben lackierte Felgen mit schwarzen Radzierringen und Radkappen, Sitze in Schottenkaro (wie Silver Bug, allerdings gold statt weiß abgesetzt), Schaltknauf „Special“. Auflage 2000 Stück (jeweils 1000 in rot und schwarz).
  • Aubergine-Käfer

    Ab Mai 1983 in aubergine metallic LG4U mit in Wagenfarbe lackierten Felgen, verchromten Radzierringe, silbernen Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten, auberginefarbenen Sitze, Innenverkleidungen und Teppichausstattung. Auflage 3300 Stück.
  • Alpinweißer Käfer

    Ab Mai 1983 in alpinweiß mit verchromten Radzierringe, silbernen Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten, auberginefarbenen Sitze, Innenverkleidungen und Teppichausstattung. Auflage unbekannt.
  • Eisblaumetallic

    Ab Oktober 1983. In den Niederlanden auch “Winterkäfer“ genannt, eisblau metallic LG5Y, verchromte Radzierringe, Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten, helle Teppichausstattung. Auflage 2000 Stück.
  • Alpinweißer Käfer 2

    Ab Oktober 1983 in alpinweiß mit verchromten Radzierringen, Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten, helle Teppichausstattung. Auflage unbekannt.
  • Eisblaumetallic 2

    Ab März 1984. In den Niederlanden auch “Winterkäfer“ genannt, eisblau metallic LG5Y, verchromte Radzierringe, Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten, schwarze Teppichausstattung. Auflage 1800 Stück.
  • Sunny Bug

    Ab Mai 1984 in sonnengelb LG1H, Doppeldekorstreifen an den Flanken und unter den Zierleisten, verchromte Radzierringe, currygelbe Sitze, schwarze Teppichauskleidung. Auflage 1800 Stück.
  • Samtroter Sonderkäfer

    Ab September 1984 in samtrot LG3C, verchromte Radzierringe, mauritiusblaue Dekorblumen außen und Doppeldekorstreifen unter den Zierleisten, blaue Teppichausstattung und Seitenverkleidungen innen mit roten Sitzen einschließlich blauer Streifen. Auflage 2600 Stück.
  • Jubiläumskäfer

    Ab September 1985 in zinngrau metallic LAY7 (die von einem Hagelsturm in Emden beschädigten Fahrzeuge werden neu lackiert in zinkgrau-metallic!), Colorverglasung, graue Teppiche, Innenverkleidungen und Dachhimmel, graue Sitzbezüge mit farbigen Streifen, Golf-Sportlenkrad, silberne Doppeldekorstreifen an den Seiten, 2 Embleme "50 Jahre Käfer", Reifen 165 SR 15 auf Sportfelgen. Auflage 2400 Stück.

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